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Innere Haltung und Körpertraining

Wirken sich Körperübungen auf unsere geistige und philosophische Entwicklung aus? Wie kann die Persönlichkeit reifen, wenn dies durch bloße Meditation und geistige Anstrengung nicht ausreichend gelingt?

In der bekannten Schrift „Zen - oder die Kunst des Bogenschießens“ heißt es, Können entstehe erst dann, wenn man den Pfeil nicht mehr abschießen will, sondern die Bogenspannung bis zu dem Punkt aufbaut, an dem die Entladung wie von selbst geschieht. Gerade das eigene „den Pfeil schießen wollen“ blockiert das Ergebnis. Wichtig ist, sich durch Üben im Sport von der Fixierung auf das Ziel loszulassen und sich dem Wahrnehmen des Prozesses zu widmen.

„Übung macht den Meister“. Wer eine Körperübung oder Sporttechnik zahllose Male praktiziert, bis sie sich in den Körper einprogrammiert, für den wird die Bewegung weit mehr als Technik und er merkt zunehmend, dass „es“ wie von selbst funktioniert.

Und das überträgt sich von der körperlichen Ebene auf die Gefühle und die Haltungen zum Leben allgemein. Das Prinzip, welches ich dafür aufzeige, lautet: Was man geistig erreichen möchte kann auch auf der körperlichen Ebene geübt werden. Das Körpertraining formt allmählich den inneren Zustand und prägt diesen mehr und mehr.

Dieses Prinzip liegt den „Budo-Techniken“ (Kampfkunst) zugrunde. Ich erläutere es am Beispiel des Aikido.

Beim Aikido, wie im Prinzip bei allen Budo-Sportarten (Aikido, Karate, Judo, Jiu Jitsu, Kendo, Bogenschießen, Kung Fu), geht es darum, sowohl den Angriff als auch die Verteidigung aus dem „Zentrum“ - der Mitte des Körpers - auszuführen. Dabei verdichtet sich die Energie, mit der sich die Gegner (im Aikido sprechen wir von Partnern) im Angriff begegnen, ebenso rasch wie sie sich in der Verteidigung wieder löst und beiden Partnern den Weg zu einer neuen Mitte frei gibt.

Die übliche Strategie der meisten Menschen, auf äußeren Druck (auf die Verdichtung von Situationen oder Energie) zu reagieren, besteht darin, eine konfliktbeladene Konfrontation zu vermeiden oder aggressiv dagegen zu schlagen oder ängstlich die Flucht zu ergreifen. Bei positiven Begegnungen klammern sich Menschen in der Verdichtung oft an und geben dem natürlichen Wechsel des Kontaktes von Verdichtung und Lösung keinen Raum, ja, sie zerstören durch anklammernde Fixierung oft das Erwünschte. Im einen wie im anderen Fall - bei der fremden oder feindlichen wie bei der vertrauten und sympathischen Verdichtung des Kontaktes - ist immer der Wechsel notwendig, sich einerseits auf die geballte Energie des Kontaktes einzulassen und sie andererseits wieder aufzulösen.

Diese Beschreibung verdeutlicht die Symbolik zwischen dem körperlich-sportlichen Erleben von Angriff und der Reaktion auf denselben und der Art, wie jemand mit zwischenmenschlichen Begegnungen umgeht.

Die Beziehung zwischen diesen beiden Ebenen habe ich in meinem Buch Salutogenese (s.u.), in dem ich mein Modell von Krankheit und Gesundheit als unangemessene oder adäquate Reaktion auf Kontakt vorgestellt habe, so formuliert: „Was energetisch-psychisch-spirituell gestört ist, kann auch körperlich bearbeitet werden. Was dann körperlich bearbeitet wird, wirkt sich auch energetisch-psychisch-spirituell heilsam aus.“

Am Beispiel des Aikido will ich nun die theoretische Erläuterung des Budo-Prinzips verdeutlichen: Der Angriff wird nicht als etwas Abzuwehrendes oder gar Feindliches verstanden. Vielmehr weiß man, dass jeder Energie, auch der Energie des Angriffs, eine Kraft innewohnt, die man für sich nutzen kann. Dies gelingt, indem man vor der Energie des Angriffs nicht flieht, sie nicht abwehrt oder zurückschlägt, sondern ihre Richtung, zum Beispiel durch eine Spiralbewegung, verändert und sie so an sich vorbeilenkt. Dadurch findet man selbst die eigene Mitte wieder, die durch den Angriff aus dem Lot gekommen war.

So lernt der Aikido-Praktizierende im Training, den natürlichen Impuls zu überwinden, vor dem Angriff zu fliehen oder ihn zurückschlagen. Stattdessen schulen ihn die körperlichen Übungen, im Angriff eine Herausforderung für sich selbst zu sehen und den auch im Angriff enthaltenen positiven Aspekt erkennen und nutzen zu lernen.
 
Diese besondere Art, mit Konfrontationen umzugehen, beschränkt sich nicht nur auf Begegnungen mit anderen Menschen. Vielmehr spiegelt sie sich auch im Umgang mit Problemen, mit potenziell schädlichen Umwelteinflüssen, mit Belastungen durch Zivilisation und Technik, ja auch im Umgang mit bedrängenden Lebenssituationen, Problemen und besonderen Themen, mit allem, was man als das „Hamsterrad im Kopf“ bezeichnen kann.

In diesen das Leben ganz allgemein betreffenden gesundheitlichen, sozialen, zivilisatorischen und geistigen Bereichen tendieren viele Menschen dazu, den Kontakt damit entweder panisch zu meiden oder sich wie ein Kampfhund in das Thema, die Belastung oder Bedrängung zu verbeißen.

Auf die Spitze getrieben zeigt sich das bei den Verschwörungstheoretikern. Zu diesem Thema habe ich mich mit scharfer Kritik in einer gesonderten Newsletter Ausgabe geäußert:

www.gladiss.de/index.php/newsletter/9-newsletter-published/107-weltverschwoerungstheorien-ein-statement

Bei allen Menschen bildet sich eine ganz bestimmte „Haltung“ zu den Themen des Lebens und dem Umgang damit heraus. Der Aikido-Sport formt die Haltung der Trainierenden neu. Deutlich wurde mir das erstmals, als sich ein junger Mann nach drei Monaten Teilnahme vom Aikidosport verabschiedete, weil er Lüneburg (wo ich Aikido trainiere) wieder verlassen musste, und sich wie folgt äußerte: „Ihr seid irgendwie ganz andere Leute hier. So lieb und gar nicht aggressiv, obwohl es ein Kampfsport ist. Ganz anders, als ich das sonst kenne“. Es war die Atmosphäre in der Kaserne, auf die er sich bezog. Dort hatte er in diesen drei Monaten seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr geleistet, abends aber beim Aikido teilgenommen. Dieser junge Mann hat die unterschiedlichen „Haltungen“ zum Leben deutlich wahrgenommen.

Was ich mit „Haltung“ in diesem Zusammenhang verstehe, habe ich auf den letzten Seiten der in www.gladiss.de gratis abrufbaren Publikation

http://gladiss.de/phocadownload/Archiv/2004.05.11.haltung_k%C3%B6rperarchitektonik.pdf 

dargelegt. Ferner habe ich in meinem Buch „Salutogenese“ (s.u.) die Bedeutung des Themas „Kontakt“ auf medizinische Fragestellungen konkretisiert und näher ausgeführt, warum ich Krankheit vielfach als inadäquate Reaktion auf Kontakt verstehe und weshalb das Training einer angemessenen Weise, auf Kontakte zu reagieren, eine hohe salutogenetische Bedeutung hat.

Das Buch „Kikobe“ (s.u.) widmet sich dem gleichen Thema von der praktischen Seite: es zeigt auf, wie diese Erkenntnisse und Erfahrungen psychotherapeutisch und in der Selbsthilfe nützlich umgesetzt werden können.

Sich auf das körperliche Üben im Aikido einzulassen automatisiert sich im Laufe der Zeit als innere Haltung und überträgt sich auf die eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen, und es erhöht die Toleranz anderen Menschen gegenüber. Gleichzeitig lernt man dabei, sich durchzusetzen, ohne anderen weh zu tun, und man schult sich darin, den Anderen zu respektieren und Stress zu vermeiden. Man kann sagen, dass auf diese Weise Frieden durch Kämpfen entsteht.

Auf zwei Bücher möchte ich in diesem Zusammenhang verweisen:

Arno Dorizzi: „KiKoBe – Ki – Kontakt – Bewegung. Eine Methode, um Energie zu erfahren und diese für die therapeutische Arbeit und den persönlichen Alltag zu nutzen.“ Buch, erschienen 2005. 95 Seiten.

Karl Braun-von Gladiß: „Salutogenese, Lebensführung und Gesundheitskraft; die Lehre vom Gesundwerden und Gesundbleiben“. Buch, erschienen 2003. 107 S.

Beide Bücher können über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellt werden. Im Buchhandel sind sie nicht verfügbar.