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Kritik an Entstörungsprodukten für Mobilfunk

Schon lange bin ich den vielfältigen sogenannten Entstörprodukte von elektromagnetischer Strahlung gegenüber skeptisch und äußere mich in meiner Schrift "Abschirmen und Entstören elektromagnetischer Wellen" auch entsprechend.

Weit über diese Skepsis hinaus habe ich dort, wo Hersteller behaupten, mit ihrem Entstörprodukt wandelten sich Handys sogar zum Therapie-und Verbesserungs-Instrument (ja, das wird tatsächlich durch manche Hersteller esoterischer Produkte behauptet!) nicht gezögert, das als schamlosen Betrug zu kennzeichnen.

In meinem Würzburger Vortrag habe ich mich im April 2014 wie folgt geäußert:

„Esoterischer Schutz: Chips und andere esoterische Produkte sind keine Abschirmungen. Sie ändern nichts an der Leistungsflussdichte der Strahlung! Der angenommene Einfluss auf Scalarwellen ist hypothetisch. Man bezeichnet sie als Entstörung, als Schutz. Sie können individuell hilfreich sein. Informationen, Symbole, gespeicherte Frequenzen, Gebete, Engelenergie, mineralische Absorber – das sind die häufigsten Produktmerkmale, wenn solche überhaupt benannt werden. Vergleichbar ist die Wirkung der von Parfum, Schmuck oder einer besonderen Kleidung. Sie verändern die eigene Befindlichkeit und die Wirkung auf Andere. So stabilisieren Sie das eigene Energiefeld und schützen vor Anfälligkeit in unsicheren Situationen. Man trägt nicht jeden Tag die gleiche Duftnote, Kleidung oder den gleichen Schmuck. Das hängt von der Stimmung und Befindlichkeit ab. So ebbt auch die Wirkung von Entstör-Chips und Schutz-Produkten aus, wenn das gleiche konstant täglich benutzt wird. Der intuitive Wechsel verschiedener Produkte kann hilfreich sein. Ein teueres muss nicht besser sein, die Wirkung ist preis-unabhängig.

Wo aber unter dem Deckmantel energetischer Stabilisierung ein Produkt, aufgeklebt aufs Handy, so vertrieben wird wie z.B. in der Werbegrafik einer bekannten Chip Herstellerfirma, wo der Anschein erweckt und sogar im Werbetext auch so behauptet wird, mit dem Chip sei die Handybenutzung für das Kind nicht mehr gefährlich, dort muss eindeutig Stellung bezogen werden: der Chip ändert nichts an der Eindringtiefe der Strahlen ins Gehirn, wie es auch die grafische Darstellung der SAR (spezifische Absorptionskurve) zeigt. Derartige Entstörprodukte sind aus meiner Sicht konsequent negativ zu bewerten.“

Nun stieß ich in der Literatur des neuen Buches von Wolfgang Maes auf eine noch pointiertere Bewertung, die mir in ihrer erfrischenden – journalistisch gestalteten - Art so gut gefallen hat, dass ich Herrn Maes um Zustimmung zur Wiedergabe in meinem Newsletter bat, die er mir postwendend und erfreut gegeben hat. Daher gebe ich meinen Lesern diesen wichtigen Text nachstehend wieder:
 
Auszug zum Thema
Entstörprodukte
aus dem Buch
Stress durch Strom und Strahlung
Baubiologie: Unser Patient ist das Haus - Band 1
Elektrosmog Mobilfunk Radioaktivität Erdstrahlung Schall Licht
von Wolfgang Maes
in Zusammenarbeit mit Dr. Dipl.Biol. Manfred Mierau, Dr. Dipl.Chem. Thomas Haumann,
Dipl.Ing. Norbert Honisch und Dipl.Ing. Helmut Merkel
Verlag Institut für Baubiologie+Ökologie Neubeuern IBN
6. Auflage 2013, 1111 Seiten
ISBN-Nr. 978-3-923531-26-4


Magnetische Wechselfelder: Geschäfte um jeden Preis? 177
Geschäfte um jeden Preis?

Wo immer es Probleme gibt, gibt es auch sehr bald Menschen, die sich
mit den Sorgen anderer eine goldene Nase verdienen wollen und Lösungen anbieten, die keine Lösungen sind.
Es gibt Entstörgeräte, die als "Patentlösung gegen Elektrosmog" gepriesen werden und "pathogene Einflüsse auf höchster Hierarchieebene" aufheben wollen. In den Gebrauchsanleitungen wird die Biophysik
strapaziert, dass einem der Kopf raucht: "Unser Körper besteht zu über
99 Prozent aus leerem Raum, dem Vacuum. Das Vacuum ist ein universales Medium, angefüllt mit virtueller Energie. Alles entsteht aus dem
skalaren Subquantenfeld im Vacuum. Skalarwellen sind raumzeitlose
rundstrahlende Pulswellen, die mit Vektorwellen transportiert werden."
Das Gerätchen gegen Elektrosmog "greift hier ein, im Subquantenfeld
des Vacuums". Durch "gezielte Anregung von Elektronen und entsprechende Polarisierung werden konstruktive Spinbildungen" erreicht.
So gibt es Tropfen "gegen die energetische Auswirkung elektromagnetischer Felder", die man einmal wöchentlich mit "15 Kreisungen im Uhrzeigersinn hinter das rechte Ohr" einreiben soll, um vor Elektrosmog
geschützt zu sein. Es gibt Platten, welche "die negativen Felder feinstofflich umpolen und derart in ein höheres positives Schwingungsfeld
bringen". Es gibt teure Armbanduhren, die vor Elektrofeldern, Übelkeit
beim Fliegen und vielen Dingen mehr schützen wollen. Was die Uhren
wirklich tun: Ihre elektronischen Taktgeber knallen sekündlich ein magnetisches 10.000-Nanotesla-Feld ins Handgelenk.
Gegen Elektrostress, Wasseradern, Schlafstörungen und 100 Zipperlein
von A wie Allergien bis Z wie Zellulitis sollen Magnetfeld-Therapiedecken für 500 Euro und mehr helfen. Die ans Netz angeschlossenen
Decken bringen bis 100.000 Nanotesla (!) aus ihren eingebauten Magnetfeldspulen in den darauf liegenden Körper, um das angeblich "verloren gegangene Erdmagnetfeld" zu ersetzen. Ist die Decke aus, gibt es
immer noch 6000 Millivolt Körperspannung durch den Netzanschluss.
Da ist der in einer Fachzeitschrift angebotene Serienstecker, der "nach
dem Umkehrprinzip der System-Information" funktioniert, in die Steckdose gehört und von hier aus eliminieren will: Mikrowellen, PC-Strahlung, Fernsehen, Radio und mehr zu 90 bis 95 Prozent. Das Blatt verspricht: "Jeder Stecker wird in Handarbeit auf seine Wirkung überprüft". Misst man die Wirkung physikalisch nach, dann bleibt das Versprechen auf der Strecke: nicht die mindeste Wirkung, die Felder bleiben. Der Verleger der Zeitschrift berichtet, Elektrosmog fotografieren
zu können, "belegt" die unhaltbare These mit verwackelten Fotos: "Das
ist sichtbar gemachter Elektrosmog, der schon fast gasförmig durch den
Raum wabert." Das Smog-Gegenmittel hat man für gutes Geld auch parat: ein mit Kreuzen bedrucktes Baumwoll-Bettlaken.
Fachleute für Strahlensuche wollen Environtologen sein. Sie fordern für
die erste Beratung stolze 3000 Euro, bei Neubauten beträgt das ebenso stolze Beratungshonorar 5 bis 10 Prozent der Gesamtbaukosten, die
Antwort auf Anfragen kostet 300 Euro, vorab bezahlbar, plus Nebenkosten und Mehrwertsteuer. "Im Dienste der gesunden Umwelt" verkaufen sie "Wasserenergetisierungssysteme" und beschäftigen sich mit
"Radionik", um deren Apparate "sich manch Mythos rankt", palavern
von "Skalar-Wellen" und "nichthertzscher Technik", von "psychokinetischen Effekten" und "psychomagnetischen Kraftlinien", von "biokosmischen Resonanzkreisen" und selbstgebauten "Lerngeneratoren".
Drollig auch die Idee, den Strahlen und Feldern von Fernsehstationen,
Radiosendern, Mobilfunkanlagen, Hochspannungstrassen und elektrischen Hausleitungen durch Sphärenklänge entgegenzuwirken, nämlich mit teuren Speziallautsprechern, aus denen nichts zu hören ist, die
dafür aber magnetische Feldverursacher sind. Die Interessenten werden mit der Andeutung hinters Licht geführt, man könne den Effekt
physikalisch messen, was physikalisch nachweislich nicht stimmt.
Aus der "Außenseiterforschung" kommen Emitter für "Quantenstrahlungen aus elektrischen Feldern" und Absorber für die "zahllosen Immissionspartikel von plus- und minuspoligen Strukturen aus elektrischen, magnetischen und atomaren Kraftfeldern": billiges Serienplastik
mit lächerlichem Inhalt, teuer verkauft. Nicht auszurotten: Der unters
Fernsehgerät geklebte Hornkamm, der einem die TV-Strahlen vom Hals
halten soll, die Kohletabletten, die unter der Steckdose befestigt werden und hier den "Elektrosmog aufsaugen", und spezielle Kräuter, die
nur unter Hochspannungsleitungen wachsen und deshalb "gut entstö-
ren". Duftlampen, gefüllt mit verschiedensten ätherischen Ölen, bis zu
500 Euro teuer, sagen dem Elektrosmog den Kampf an. Kettchen, Ringe und Kupferarmbänder versprechen die Reduzierung der elektromagnetischen Umwelteinflüsse, Tag und Nacht. Ein Meditationszirkel
bietet individuelle Mantras an. Diese, zweimal täglich zu bestimmten
Zeiten gesungen, halten das Haus strahlenrein. Disketten aus dem
Versandhandel werden in Computer eingelegt und putzen dann den
ganzen PC nebst Festplatte und Bildschirm "frei von schädlichen elektromagnetischen Strahlen, direkt von innen heraus". Plastikkugeln, mit
geheimnisvollen Flüssigkeiten und Mineralienmixturen gefüllt, werden
links oben und rechts unten (nicht umgekehrt!) an den PC-Monitor geklebt, und ab sofort lächelt die Sekretärin, denn es ist endlich Schluss
mit der bösen Bildschirmstrahlung. Obwohl, so der Hersteller, "Messgeräte keinen Unterschied zwischen der Strahlung eines geschützten
und ungeschützten Bildschirmes feststellen können."
Auch interessant: Das braune Wunderkunststoffkästchen für 20 Euro
zum "Neutralisieren von Bildschirmstrahlen, Leucht- und Digitaluhren
aller Art". Die telefonische Nachfrage beim Hersteller, wie das funktioniert: mehrmaliges Verbinden und das Gestammel der "Fachleute" von
"Strahlenverwirbelung" und "kosmischen Kräften", von "feinstenergetischer Wirkung" und: "Das kann man nur mit dem Pendel nachkontrollieren". Kontrolliert man das mit Messgeräten, bleibt alles beim Alten:
Die elektrischen Leucht- und Digitaluhren strahlen, was das Zeug hält
und der Fernseher auch. Was immer hilft: Steckerziehen und den Fernseher häufiger ausschalten, nicht nur wegen der Felder.
"Elektrosmog ist eine Gefahr für alles Leben auf der Erde". Aber es gibt
die "Lösung": Kinöopathie. Man höre und staune: "Kinöopathische Produkte geben den technischen Strahlen ein anderes Bewusstsein." Die
Lampe mit eingebautem Frequenzgenerator "basiert auf dem Wissen
der Quantenphysik". Sie "neutralisiert elektromagnetische Informationen im technisch nicht messbaren Bereich". Der schädigende Elektrosmog "verschiebt unsere Informationsmuster im Ego". Sie ist laut Hersteller "Zukunft, unfassbar und Metaphysik". Sie erzeugt ein "neutrales
elektromagnetisches zwölfdimensionales Feld", und - welch Trost - "sie
greift nicht in das Schicksal der Menschen ein".
Auch so ein Gag: Geräte für 500 Euro, die "verträgliche" elektromagnetische Felder "in homöopathischen Dosierungen" emittieren, um so den
"unverträglichen" Elektrosmog unserer Umwelt zu bekämpfen. Mit Tachyonen, das sollen "masselose Teilchen" sein, "bestehend aus Energie
und Bewusstsein, kleiner als Atome, schneller als Licht, alle Materie
durchdringend", zieht man ebenfalls gegen den Smog aus Steckdosen,
Kabeln, Computern und Handys zu Felde. Mit einem Aufwasch kann
man hiermit auch das "eigene Bewusstsein erweitern", ein "kraftvolles
Einheitsfeld kreieren" und sein "volles Potenzial entfalten".
Geschickte Verkäufer haben dazugelernt und sind vorsichtiger geworden. Sie versprechen nicht mehr wie früher, dass die Strahlung durch
Entstörgeräte weggehe, nein, vielmehr würde nur die "negative Information der Strahlungen umgekehrt", "feinstenergetisch neutralisiert",
"harmonisiert", oder von links nach rechts gedreht, auf höhere Ebenen
gepuscht. So kann man die Aussagen nicht mehr objektiv, sprich physikalisch nachprüfen, weil sich an der Strahlenbelastung selbst, an der
Feldart und Feldstärke, nicht das Mindeste ändert, denn jene Wundergeräte haben ja nur noch eine "radiästhetische Entstörwirkung". Und
die soll man dann doch indirekt nachweisen können, mit subjektiven
Methoden wie Kinesiologie, Wünschelrute, Pendel oder Biotensor.
Selbst Professoren und Mediziner begeben sich ins Kaffeefahrtenmilieu, bestätigen die wundersamen Wirkungen der Anti-ElektrosmogGeräte und Mittelchen. So werden sie munter weiter verkauft, diese
Netzentstörer, Stecker und Regulatoren, die Schutzantennen und Harmonisierungskuppeln, die Strahlungsfilter, Neutralizer und Absorber,
jene E-Smogys, Plaketten und Entstrahlungskegel, die Emitter, QI-Karten und Marmorquader, die Quarze, Achatscheiben und Kristalle, die
Transformer-Laken, Abschirm-Folien und Magnetfeld-Decken, die Aufbau-Münzen, Ableit-Hufeisen, Tesla-Uhren und Strahlen-Beamer... Und
die schädigenden Felder bleiben, wo und wie sie immer waren.
Der Functional-Corrector "schirmt elektromagnetische Strahlung nicht
ab", dafür "wandelt er sie in eine raum-zeitliche Struktur um". Der mundgeblasene Glas-Design-Harmonizer "schützt vor Elektrosmog, geistiger
Fremdbelastung und Mobbing". Sleep Pads "stabilisieren das Magnetfeld", wenn man sie auf den Lattenrost klebt. Das Zapf-System schützt
vor "elektromagnetischer Streustrahlung" über die "Resonanz-Frequenz
des Sauerstoffs". Der Räumliche Magnetausgleich, eine kleine Klebefolie, "verbessert die Verträglichkeit der Elektrotechnik". Bücher klären
über Heilsteine bei Elektrosmog auf, sie wollen die "unvermeidbaren
Strahlungsbelastungen mindern". Theo's Elektroboy ist "ein Potentialsensor zur Neutralisierung von Elektrosmog", schützt sogar "vor Röntgenstrahlung" und "schafft bipolare Verhältnisse in der Wohnung". Die
Holzkugel Geo-Safe "neutralisiert die Strahlung durch Phasenverschiebung". Der Isis-Beamer "wirkt durch die geometrische Formstrahlung,
indem er einen Schutzring um die Aura des Körpers bildet". Schwingfeldmodule "produzieren körpereigene Wohlfühlfrequenzen". Guri Protect ist "auf die Elektrosmogverordnung zugeschnitten", ein Nahrungsergänzungsmittel, "der erste orale Schutz gegen Elektrosmog". Energiesterne und Raumsterne in Form des Dodekaeders "schützen das ganze
Haus". CHI-Netzstecker sind "quantenphysikalisch präpariert" und sorgen für eine "kohärente Spin-Ausrichtung". Der Energiefeld-Generator
"erzeugt ein pulsierendes, rechtsdrehendes Magnetwirbelfeld", welches
den Elektrostress "energetisch reinigt". Der RayGuard ist ein "Skalarwellenabsorber" und eine "Human Firewall". Biophotonen-Matrixplatten "polen Schwingungsmuster um". Mandalas und Yoga-Übungen versprechen Entspannung trotz Verspannung. Mit Harmonisierungsspiralen und Wirbelsystemen werden Felder und Giftstoffe geordnet und
gereinigt, selbst Mauern trockengelegt. Gegen das Metallplättchen namens Feldprozessor ermittelte die Staatsanwaltschaft, andere Gerichte
ermitteln bei diversen Chips wegen Betrug. Und alle Felder, Wellen,
Strahlen, Frequenzen, Störungen... bleiben gänzlich unbeeindruckt von
all den vielen Neutralisierungs- und Harmonisierungsangeboten.
Memon ist dick im Geschäft mit allen möglichen Transformern, Entstö-
rern und Harmonisierern. "Die Schadinformationswellen" sollen mit "destruktiver Interferenz" und "Verschiebung der Polarisationsebene" vollständig gelöscht werden: "Selten hat sich Elektrosmog so behaglich angefühlt." Das holländische Fernsehen testete im November 2011, stellte
mit Expertenhilfe mal wieder keine Wirkung fest und lüftete das "Geheimnis" durch gewaltsames Öffnen des kleinen Memon-Behälters, der
Inhalt: viel Sand, ein Stückchen Folie und eine LED. Das für 900 Euro.
Fostac bedient sich - wie viele andere Mitbewerber - der "neuesten Erkenntnisse der modernen Quantenphysik", "harmonisiert die Störfelder
vollständig", "polt sie um", "maximiert die natürlichen vertikalen Energieflüsse in Gebäuden", "repolarisiert" und reduziert nebenbei auch den
Stromverbrauch. Dabei ist Fostac "kein elektronisches Gerät im herkömmlichen Sinn, dessen Funktions- und Wirkungsweise so ohne Weiteres aufgrund von Messwerten bewiesen werden kann".
Das Magazin Öko-Test nahm 22 Produkte gegen Elektrosmog kritisch
unter die Lupe (Heft 3/1999), Wohnung+Gesundheit berichtete ebenfalls (Heft 91/1999). Das Fazit der Öko-Tester: "Wer's glaubt, wird selig".
Besondere Leckerbissen: Der IT-Stecker, dem man erst eine "Information aufprägen muss" bevor man ihn in die Steckdose steckt. Dann soll
er "biopositive Wirkenergien" in das Stromnetz einspeisen und aus allen Leitungen und Steckdosen bis in die daran angeschlossenen Gerä-
te wieder aussprudeln. Der im Innern mit zwei Drähtchen, zwei Plastikstäbchen und einem Klecks Heißkleber nachgerüstete Feuchtraumstecker (fünf Euro im Baumarkt) kostet derart überarbeitet 80 Euro.
Der PWL-Emitter fängt "die unheimlichen Kriechströme aus den elektrischen Leitungen" für 50 Euro ab. Der mineralische Bildschirmkegel
"eliminiert Röntgenstrahlung" und "dämpft elektromagnetische Felder"
für 85 Euro. Große Versprechen, aber - wie immer - keine Eliminierung
oder Dämpfung zu finden. Die QI-Karte für 35 Euro, hübsch bedruckt
mit bunten Ornamenten, so klein wie eine Scheckkarte, gehört unter
das Bett (gegen Wasseradern) oder an Geräte (gegen Elektrosmog). Sie
"könne Kreditkarten und Disketten löschen", was sie auch beim zigsten
Versuch nachweislich nicht konnte.
Zwei Produkte im Öko-Test verursachten Felder, anstatt sie zu vermeiden. So ballerte der Elektrosmog-Neutralizer, der am Körper getragen
wird, hundertmal mehr Magnetfeld als die TCO-Norm für Bildschirme
zulässt. Die Salzkristall-Lampe, die in einem Frankfurter Reformhaus
gegen Elektrosmog angepriesen wurde, schaffte selbst ausgeschaltet
150 Volt pro Meter in 30 Zentimeter Abstand, dreißigmal über der TCO.
Einige Hersteller geben an, Elektroakupunktur, Bioresonanz, KirlianFotografie oder die neuere Prognos-Methode seien geeignete medizinische Diagnoseverfahren zum indirekten und sicheren Nachweis einer
Entstörgerätewirkung am Menschen selbst. Zehn hierauf angesprochene und mit diesen Methoden bestens vertraute Ärzte meinten sinngemäß das gleiche wie Öko-Test: "Wer's glaubt, wird selig."
"Das Geschäft mit der Angst", so der Titel eines Berichtes der Fachzeitschrift 'Handy Spezial' im Januar 1998. Man prüfte den RayMaster in
mehreren Testlaboren mit aufwändiger Technik auf Herz und Nieren.
Es gibt ihn in zwei Modellen: zigarettenschachtelgroß für immer dabei
(SP1 für 150 Euro) und in Form einer Pyramide für das Haus (SP2 für
750 Euro). Der Inhalt: fünf Glasröhren und zwei Drahtspulen. Das Hersteller-Versprechen: "Physikalische Neutralisation der krankmachenden
Anteile elektromagnetischer Felder". Das 'Handy-Spezial'-Testergebnis:
Mit bester physikalischer Messtechnik war keinerlei Wirkung zu finden, ebenfalls nicht bei Blindversuchen mit elektrosensiblen und nicht
elektrosensiblen Probanden, auch nicht unter Zuhilfenahme medizinischer Diagnosemethoden wie Elektroakupunktur. Öko-Test konnte am
RayMaster ebenso keine Wirkung feststellen, wir auch nicht. Im März
2010 knöpft sich das ZDF in WISO den RayMaster vor, prüft ihn im Einfluss elektrischer und magnetischer Felder und Funk und findet: nichts.
"Wie sich mit der Angst vor Elektrosmog Geld verdienen lässt - Fragwürdige Produkte gegen Strahlung", ein Bericht in der 'Süddeutschen
Zeitung' am 11. Februar 2012. Resümee: "Diese Produkte sind blanker
Unsinn." Die Elektrohandelskette Conrad verkauft AlphaPrevent-Aufkleber aus "intelligentem Kunststoff" für 99 Euro. Andere Isis-Ray-Harmony-Chips, E-Mune-Chips, Biophone oder die Phi-Lambda-Technology. Wieder andere Amulette, energetisiertes Wasser oder homöpathische Globuli "Elektrosmog C30". Der Kosmetikhersteller Clarins biete eine Lotion an, mit der besorgte Damen ihre Haut gegen elektromagnetische Felder schirmen können... Die einzige Wirkung der Produkte
sei "der wachsende Wohlstand der Verkäufer". Prof. Heinz Oberhummer
von der TU Wien: "Ein Riesengeschäft, man bedruckt Folien für ein
paar Cent und verkauft sie als Wundermittel für ein Vielfaches."
Es gibt hunderte solcher Entstörer, Harmonisierer, Neutralisierer, Energetisierer... auf dem Markt. Die Preise schwanken zwischen 20 und 3000
Euro. Kein einziger erfüllt baubiologische Ansprüche. Baubiologie will
Risiken wie elektromagnetische Felder erst nachweisen, dingfest machen, um sie dann gezielt angehen, abschalten, abschirmen, reduzieren
oder - noch besser - eliminieren zu können. "Harmonisierung" ändert am
Feld, seiner Intensität, Frequenz, Art... kein bisschen, das Feld ist und
bleibt nach wie vor. "Entstören" können Sie glauben oder sein lassen.
Wenn Sie einmal erkannt haben, dass Ihr Hautkrebs auch vom Solarium kommen könnte, dann "harmonisieren" Sie das Solarium nicht mit
Amuletten, sondern legen sich einfach nicht mehr rein. Wenn Sie wissen, dass Alkohol Ihrer Fettleber Schaden zufügt, so "neutralisieren" Sie
die Schnapsflasche nicht mit einem Aufkleber, sondern lassen den Fusel weg. Mehr zum Thema "Entstörung" ab Seite 271 im Kapitel Funkwellen und ab Seite 864 im Kapitel Erdstrahlung.
Fragwürdiger Markt - Entstörprodukte
Es blüht auch hier, wie schon im Kapitel über magnetische Wechselfelder beschrieben (siehe Seiten 177 bis 182), ein fragwürdiger Markt
für alle möglichen und unmöglichen Entstörprodukte gegen böse Handystrahlen und andere Elektrosmog-Emittenten. Aus Italien kommen
Abschirm-BHs, um vor Brustkrebs zu schützen, aus Amerika Abschirmunterhosen, um genetische Defekte zu vermeiden. Die Schweiz überrascht mit einer münzenähnlichen Plakette, die auf das Handy geklebt
wird und "vor Langzeitschäden schützen und elektromagnetische Felder neutralisieren" will. Öko-Test nahm diesen und andere Entstörer
unter die Lupe (Heft 3/1999: "Wer's glaubt wird selig"). Wohnung+ Gesundheit (Heft 91/1999) und andere Medien berichteten über den ÖkoTest von 22 Produkten gegen Elektrosmog. Mit solchen Entstörgerä-
ten werden die Verbraucher ermuntert, mit Funk zu telefonieren, und
seien es Stunden am Tag, den Mikrowellenherd zu nutzen, neben Sendeanlagen zu wohnen, denn sie seien ja geschützt. Was bei den Überprüfungen herauskam: keine messbare Veränderung der elektromagnetischen Strahlung. Die Feldstärke bleibt, die Frequenz bleibt, die
Modulation bleibt, der Mensch lebt weiter im Elektrosmog. Einige Produkte verursachten sogar Elektrosmog, anstatt davor zu schützen.
Da soll die auf einen Zentimeter Größe gekürzte Kleinbildfilmdose an
das Handy geklebt werden, um "die intensiven Strahlen zu bändigen".
Nach dem Öffnen offenbart das Döschen ein paar Gramm Sand und ein
Stück Tonband, das für 40 Euro. 45 Euro kostet der kleine blaue Stoffbeutel aus Aachen. Darin befindet sich eine abgeschnittene Kaffeefiltertüte, ebenso gefüllt mit Sand und Kies. Die "Handy-Neutralisierung"
ist beim Telefonieren und auch sonst immer am Körper zu tragen.
Ebenfalls aus Aachen: die mit "individuell zubereiteten Mineralienmischungen" gefüllten Holzkugeln, ein Strahlungsneutralisations-System
mit Geld-Zurück-Garantie. Wir fanden sie in einer Wohnung neben einem Mobilfunkmast, drei Kugeln, Kosten: ein paar hundert Euro. Die
Strahlung im Schlafzimmer selten hoch: 8000 Mikrowatt pro Quadratmeter, sowohl vom Mast draußen als auch vom eigenen DECT-Schnurlostelefon drinnen. Die Leute fühlten sich hundeelend, waren seit der
Mobilfunkinstallation krank, überdreht, nervös. Sie hofften auf die Wirkung der Kugeln, monatelang, vergebens. Als wir die Felder vor Ort
feststellten, fiel der Hausherr aus allen Wolken: "Wie können Sie die
noch messen? Wir sind doch entstört!" Solche hölzernen Entstörkugeln
"gegen Elektrosmog, Funk und Erdstrahlen" mit "eigens importierten
Inhalten" entdeckten wir auch in einem Einfamilienhaus direkt neben
einer Hochspannungsleitung. Mein Partner Dr. Manfred Mierau und
ich ermittelten im ganzen Haus einschließlich Schlaf- und Kinderzimmer magnetische Felder von 2800 bis 4000 Nanotesla (zur Erinnerung
die WHO: Krebsrisiko möglich ab 300 nT). Dazu das DECT-Telefon und
heftige elektrische Felder aus der Installation. Die Frau hatte Krebs,
der Mann ständig Schmerzen, das Kind war verhaltensauffällig, hyperaktiv, sein Schlaf chaotisch, aber nur zu Hause, bei Oma im Nachbarort
war der Kleine wie ausgewechselt, ausgeglichen, keine Schlafprobleme. Zu Hause: Holzkugeln für 1400 Euro, an diversen Stellen im Haus
platziert, vom Verkäufer "individuell eingemessen"; sie versprachen die
"Entstörung der Magnetfelder der Hochspannungsleitung" und, mehrere Fliegen mit einer Klappe, die der anderen Stressfaktoren auch. Sie
zeigten keinen Effekt, die Felder waren nach wie vor maximal da, die
gesundheitlichen Beschwerden ebenfalls. Neugierig schlug der Ehemann zwei Holzkugeln mit Hammer und Stecheisen auf. Inhalt: Steinchen, Staub, eine kleine Muschel, ein buntes Jesusbildchen in Passbildgröße. Wir ließen den Inhalt von Mineralienexperten überprüfen.
Deren sachverständiger Eindruck: "Allerweltsmineralien wie Rauch-,
Rosen- und weißer Quarz, Obsidian, Haematit, Kieselsteine, Sand und
Mahlstaub." Die geschätzten Kosten des Inhalts: "Unter zwei Euro."
Ein Metzger aus Stammheim widmet sich ebenfalls den Mineralien
und nennt sich "Lebensberater". Er entwickelte Biochagie-Platten. Die
Platten mit einem Mineraliengemisch "wehren die negativen Strahlen
ab und verändern sie ins Positive". So wird "ein ganzes Haus auf rechts
gepolt". Besonders wirksam zeigen sie sich gegen "die Strichcode-Aufdrucke von Verpackungen im Kühlschrank". Zugabe: "Mit dem Biochagie-System wird aus Leitungswasser ein wahres Lebenselixier."
Schutzantennen versprechen: "Die Benutzung von Handys ist nun frei
von Strahlungsschäden." Das Ziel sei "das Feld für den Benutzer biologisch kompatibel" zu machen. In dem winzigen Metallgehäuse fanden
wir zwei millimeterkleine mit Flüssigkeit gefüllte Plastikschläuche.
Goldglänzende Metallscheibchen mit einem Loch sollen den "Elektrosmog verträglich machen". Das Hersteller-Motto: "Mobil telefonieren
und gesund bleiben", die Chips seien "mit natürlichen Frequenzen aufgeladen", welche dafür sorgen, dass der Körper "die schädlichen Frequenzen des Handys nicht erkennt". Briefmarkengroße Aufkleber mit
farbigen, fernöstlichen Ornamenten wollen die "negative Wirkung von
Mobilfunkanlagen und Handys eliminieren, reduzieren oder abschwä-
chen" und das, weil sie "bioenergetisch-radionisch informiert" wurden.
Misst man nach, dann werden die Felder weder eliminiert noch reduziert, nicht einmal abgeschwächt. Ob sich die versprochene "negative
Wirkung" der Felder ändert, das lässt sich nach Herstellerangaben nur
mit subjektiven Methoden wie Wünschelrute, Pendel, Biotensor oder
Kinesiologie nachvollziehen. Einige Anbieter geben Elektroakupunktur,
Bio-Resonanz oder Prognos-Diagnostik als möglichen Beweis für biologische Positivreaktionen an. Die von mir befragten und mit diesen Methoden gut vertrauten Ärzte stellten das arg in Zweifel.
Der Medizin-Physiker Dr. Lebrecht von Klitzing experimentierte für den
Öko-Test im Lübecker Universitätslabor mit dem EEG. Er fand im Einfluss von Handys und DECT-Schnurlostelefonen Hirnstromveränderungen, und zwar mit und ohne Entstöraufkleber oder -plakette. Also keinerlei "Neutralisierung der biologischen Wirkung". Dr. von Klitzing hält
solche Produkte deshalb für besonders problematisch, weil sie dazu
verführen, sich kritischem Elektrosmog ungeschützt auszusetzen.
Die 'Bild am Sonntag' schreibt über Gnoomy, den kleinen popfarbenen
Handyantennenaufsatz: "Das Gespenst verfügt angeblich über magische Kräfte. In seinem Bauch verbirgt sich ein Rosenquarz. Er soll vor
Elektrosmog schützen." Ein Hamburger Ingenieur testete den Plastikgnom für die 'Bild-Zeitung': "Verringerung der Feldstärke um 85 Prozent
bei gleicher Empfangsqualität." Das 'Bild'-Foto zeigt den Ingenieur und
sein Messgerät, mit dem er zu dem Ergebnis kam. Peinlich, denn das
ist für Funkwellen so ungeeignet wie ein Zollstock fürs Fiebermessen.
'Computerbild' nimmt sich Gnoomy vor und lässt den Strahlenschlucker
beim renommierten IMST-Institut in Kamp-Lintfort prüfen: kein Effekt.
"Unseriöse Quacksalber täuschen die Käufer, sie wollen alle nur Ihr
Bestes - Ihr Geld." In 'Computerbild' geht es auch um Zeropa, den Keramik-Marienkäfer aus Italien, der Handywellen in Wärme umwandeln
will. Das passiert nicht, wie wir bestätigen können, die Wellen bleiben.
Schutz durch Bionik verheißen diverse Entstörprodukte, so auch Clips,
die man ans Handy heftet. Jetzt entstünde ein "harmonisches Schwingungsfeld" und "Sicherheit beim mobilen Telefonieren". Man verspricht,
"Gehirnströme harmonisieren" und "vor Erwärmung im Kopf schützen"
zu können. Das sei durch "EEG-Analysen und Doppelblindstudien" belegt. Auf die angeforderten und mehrfach angemahnten Belege warte
nicht nur ich heute noch. "Sie können nicht viel verlieren, aber Unbezahlbares gewinnen", lockt der Anbieter von winzigen Pads aus Keramik für 20 Euro. Die sollen auf die Hörmuschel und an die Handyantenne geklebt werden. So wird "die Strahlung am Gehörgang, dem direkten Weg in den Kopf, weitgehend absorbiert." Der Handy-Protector
kann's genauso gut, mindestens, er "absorbiert" nach "IQ-Verfahren".
"Einen neuen Weg zur Problemlösung" geht ein "Team von Fachleuten".
Es entwickelte einen weiteren Absorber für "die biologisch schädigenden Anteile der Mobilfunkfelder". Die Wirkung sei am Menschen nachzuweisen, z.B. mit Elektroakupunktur und Prognos; was sie nicht ist,
siehe oben. Viele Abschirmproduktehersteller stehen auf Absorption.
Nur, wenn sie absorbiert ist, die Handystrahlung, sprich verschluckt,
aufgesaugt, futschikato, dann kann man auch nicht mehr telefonieren.
"Weltweit getestet und anerkannt" wollen Buster sein, das "ideale Weihnachtsgeschenk". Sie garantieren: "Die Sendeleistung bleibt erhalten."
Das hat angeblich der TÜV bestätigt. "Bis 70 Prozent der Strahlung
wird abgeschirmt." Haben wir geprüft, lieber Hersteller, lieber TÜV: Nix
ist abgeschirmt. Andere stehen auf Organo-Schutz aus der Schwingungstechnologie für 109 Euro, wieder andere auf Dämpfungsglieder
und Beamer, die aufgrund ihrer Länge der "kosmische Schlüssel" sein wollen. Da ist der Isis-Beamer, der nach den "Proportionen des goldenen Schnitts" produziert wird, keine Polarität mehr hat, dafür alle "Polarität in sich vereinigt" und mit "geometrischen Formen einen Schutzring um die Aura des Körpers legt", im Sinne von Leonardo da Vinci.
Ein Glasstein will "permanent positive Strahlung von sich geben" und
"diskohärente elektromagnetische Wellen in kohärente umwandeln".
Der Einsatz von Farbgläsern verheißt die Harmonisierung von Feldern
und die Vitalisierung von Räumen. Wem das nicht reicht, bitte, es gibt
noch Atlantische Energie-Gitter und Heilungsgeneratoren. Die sind
"der heiligen Geometrie entsprechend abgestimmt" und kosten knapp
2000 Euro. Wem das zuviel ist, der kann sie sich für 450 Euro im Monat
leihen. 2500 Euro kostet der Besuch eines Münchner Unternehmens,
welches im Haus jede Art Elektrosmog mit jeder Menge Aufkleber entstört. Schwingfeldmodule schwingen "körpereigene Wohlfühlfrequenzen", entstören alles was da strahlt und entgiften von jeglichen chemischen Substanzen. Funkwellenordner ordnen Funkwellen. Energiepyramiden und Kristallstäbe seien zwar "Hilfsmittel gegen Elektrosmog",
aber sie wären doch eher "als Kunstobjekte zu betrachten".
Biogeometrie ist das Zauberwort des ägyptischen Architekten Ibrahim
Karim. Die 'Neue Züricher Zeitung' schrieb über den Mann aus Kairo,
der in Zürich studierte: "Er hat den Dorffrieden wiederhergestellt." Erhitzt hatten sich die Gemüter in dem kleinen ostschweizerischen Ort
Hernberg wegen der Mobilfunkstrahlen aus der Basisstation im Kirchturm. Karim "harmonisierte" das ganze Dorf mit "Instrumenten, die wie
Keulen, gedrechselte Holzstäbe, Glasplättchen, Vorhangstangen oder
Mundstücke orientalischer Wasserpfeifen aussehen." Diese wurden "in
den Häusern der Betroffenen an geeigneten Stellen angebracht". So
würde "die schädliche Strahlung in positive Energien umgewandelt".
Der Schutz sei "einer göttlichen Designsprache zuzuschreiben".
Zur Behütung der empfindlichen "Aura, Chakren, Zellen und DNA" soll
das Amulett des Erzengels Michael taugen. Es kostet 69 Euro und
wird "per Channeling" vom alttestamentlichen Engel, Anführer himmlischer Heerscharen zur Bekämpfung des Satans, höchstpersönlich energetisiert. Wie auch immer. Hoffentlich kriegt er Provision, der Erzengel.
"Mit Bodyguard lassen sich Störfelder neutralisieren." Das Plastikkästchen aus der Schweiz wird am Körper getragen, kostet 400 Euro und
"bekämpft die Ursachen und nicht die Symptome". Es geht um "ein Abschirmgerät gegen technische und terrestrische Einflüsse". Fürs Haus
und für Stallungen kostet "der Genuss 100%ig geschützt zu sein" 970
Euro. Das geschieht "elektrohomöopathisch". Ein Abschirmeffekt war
nicht nachweisbar. Dafür funkt das Kästchen selbst mit einigen Metern Reichweite. Das ist wohl kaum Homöopathie.
VitaTel aus Bonn ist "ein Chip zur Reduktion der elektromagnetischen Belastung beim mobilen Telefonieren". Er funktioniere auch bei DECTSchnurlosen und Funkmäusen. VitaHome "entstört das gesamte Haus",
indem er "auf ein stromführendes Kabel geklemmt wird". Denn "mit der
Welle des Stromes verbreitet sich die Wirkung zum Zähler und zu allen
Verbrauchern". Andere Protectoren machen's ähnlich: Sie "schwingen
und absorbieren" um die Wette, mit einem "Wirkungsradius bis zu 400
Metern", nehmen den Kampf mit nieder- und hochfrequent, transversal
und longitudinal auf und zeigen ihre Zähne auch bei der Erdstrahlung.
Für den selbstklebenden Gabriel-Chip wird aktiv geworben. Er kostet
je nach Größe und Nutzung 35 bis 290 Euro, manche noch mehr. Davon
braucht man einen fürs Handy, den nächsten fürs DECT-Telefon, den
nächsten für WLAN, für Babyphone, Metallbetten, Wasserbetten, Sicherungskästen, Elektroherde, Fußbodenheizungen, Notebooks, Bildschirme, Autos, sogar Festnetztelefone. Hier und da braucht man drei für
einen Zweck, z.B. für den PC oder fürs Auto. Gabriel spricht von "Glättung der Feldkohärenzmuster" und "Neutralisierung der Gehirnwellen."
Der Einsatz sei "bei der handybegeisterten Jugend besonders sinnvoll".
Die kleinen Plastikaufkleberchen, vom Hersteller "strukturmodifizierte
Folien-ROMs" genannt, möchten, wie die vielen Mitbewerber auf dem
reich gedeckten Tisch des Entstörmarktes, die "Elektrostrahlung unschädlich machen" und "gesundheitliche Nebenwirkungen verhindern."
Fest steht: Der Elektrosmog ist nach wie vor voll da, trotz Gabriel. Dr.
Walter Medinger, einstiger Leiter des Umweltschutzamtes in Linz und
zugleich Vorsitzender der "Gabriel-Forschungsgesellschaft", meint, die
"Vektorpotentiale des Erdmagnetfeldes" würden durch den Elektrosmog
"überlagert" und auf diese Weise "unverzichtbare Körperfrequenzen gelöscht", der Aufkleber bewirke "die Harmonisierung der Feldlinien". Medinger sieht in Gabriel die "Rettung für unser Magnetfeld". Ab sofort
wirbt Gabriel dank Medinger mit "amtlich bestätigt". 'Matrix3000', die
"Zeitschrift für neues Denken", kündigt an, das bunte Aufkleberchen zu
testen. In der folgenden Ausgabe das Ergebnis: Eine Redaktionsmitarbeiterin klebte es auf ihren PC und Bildschirm, und zack, schon ging es
ihr besser. Das war der Test. Dann der Startschuss zu wissenschaftlichen Versuchen im Gabriel-Auftrag, mehrere Institute waren beteiligt.
Medizin-Physiker und EEG-Experte Dr. Lebrecht von Klitzing war Kopf
der Studie und fand nach mehreren Tests: "Gar nichts". Von einem anderen teilnehmenden Institut kommt ein angeblich positives Ergebnis,
das landet sofort mit Ausrufezeichen garniert auf den Gabriel-Internetseiten; der Chip zeige Effekte, so der Institutsleiter, wer wohl: Unterschrift Dr. Walter Medinger. Von Klitzing wurde als Studienchef abgelöst, von wem wohl: Medinger. Für die 'FAZ' sind Gabriel-Chips "Purer
Unfug". 'Die Zeit' spricht von "Abzockern der Ängstlichen". ZDF-Magazin 'WISO': "Die Folie schützt nicht vor Handystrahlung." ARD-Ratgeber
'Geld': "Gabriel-Chip wirbt mit TÜV-Zertifizierung, eine solche hat es nie
gegeben." Prof. Dr. Jiri Silny von der RWTH Aachen nahm die Entstörer
unter die Lupe: "Die bringen gar nichts." Wir auch: wirklich nichts. Gut,
dass man die Chips zurückgeben kann. Mehr hierzu ab Seite 626.
"Ich fühl' mich jetzt sicher und muss nicht mehr darüber nachdenken,
ob Telefonieren für den Körper ein Problem ist." So wirbt Memon und
bietet: Transformer gegen fast alles vom Smartphone über dicke Luft
und Chlor im Pool bis zur Erdstrahlung. Mal sind es dünne Plastikaufkleberchen, mal Kistchen und Kästchen. Im Innern eines solchen kleinen Memon-Behälters: Sand, ein Fitzchen Folie plus eine LED. "Selten
hat sich Elektrosmog so behaglich angefühlt." Auch Fostac entstört und
harmonisiert fast alles, basierend auf "neuesten Erkenntnissen der modernen Quantenphysik": Elektrosmog, Radioaktivität, Wasseradern, das
Lichtnetz, Trinkwasser, Jetlag, Abgase, das Raumklima... mit Chips,
Folien und Geräten für 30 bis über 5000 Euro (siehe auch Seite 181).
Die Konkurrenz schläft nicht, und so kommen die nächsten EntstörChips auf dem Markt. Die bauen "homogene bioenergetische Felder" im
"informatorischen Raum" auf, bestätigt durch "meridiandiagnostische
Gutachten". Neben Handy- und anderweitiger Elektrosmog-Entstörung
werden Nahrung und Tierfuttermittel belebt, Gitternetze harmonisiert,
Mauern entfeuchtet, Brennstoffe balanciert und Wühlmäuse vertrieben.
Neutralizer "bringen Ihr Handy auf Ihre Wellenlänge", wissenschaftlich
überprüft, von Dr. Medinger. Tachyonen schützen mit "hypothetischer
Überlichtgeschwindigkeit". Biophotonen polen um. Bioregulationskonverter und Regulierer konvertieren und regulieren. eFilter filtern. MobilfunkOrgano kontert mit Gegenfrequenzen. Der Räumliche Magnetfeld-Ausgleich gleicht das räumliche Magnetfeld aus, wie auch immer,
"geprüfte Qualität", Zertifikat von - Sie ahnen es - Dr. Medinger. Smog
Stop stoppt Smog. PhoneGuard guards Phones. Floww - das "RundumSorglospaket" gegen alle Strahlen, "zukunftsweisend", über 1000 Euro.
Kosmetikfabrikant Clarins hält Sprühflaschen mit geheimnisvollem Inhalt ("Magnetic-Defense-Komplex") bereit, zum Hautschutz vor Handysmog, und erntet von Öko-Test die Auszeichnung "Unfug des Monats".
Auch Karstadt und RTL-Shop mischten auf dem blühenden Markt mit
und verkauften für 99,95 Euro die "Kraft der Steine" namens basic-help,
die "Rettung vor Elektrosmog". Endlich wieder "Leben mit Strom und
Strahlen". In einem Aufwasch werden "Schlaf- und Potenzprobleme gelöst", "Neurodermitis geheilt", und man sieht bald schon "viel jünger aus",
weil: Das hübsche Kettchen mit mineralienbestücktem Anhänger "wirkt
auf das Biofeld des Menschen". In den Bergkristallen und Turmalinen
"steckt die Energie von Jahrmillionen". "Handytelefonieren kann so ein
unbeschwerter Genuss sein, falls man sich schützt." Denn: "Eigentlich
leben wir im Paradies." Jedoch: "Die Schattenseite heißt Elektrosmog."
Dank basic-help "tritt eine Dauerstimulation der Thymusdrüse ein, die
vor Elektrosmog schützt." Karstadt und RTL haben den Verkauf eingestellt. Dafür gibt's das schmucke Teil jetzt im Internet, für 159,95 Euro.
So werden sie in Fachzeitschriften und Handyläden, auf Öko-Märkten
und Esoterik-Messen, von Ärzten und Heilpraktikern, von Rutengängern und selbst ernannten Baubiologen, vom Versandhandel und Fernsehshop, auf Kaffeefahrten und im Internet feilgeboten, die Entstörer,
Emitter, Antennen, Platinen, Plaketten, Protectoren, Transformer, Regulierer, Absorbierer, Guards, Cards, Chips, Clips, Kugeln, Keulen, Stä-
be, Sticker und anderen Wunderwaffen, und sie versprechen für gutes
Geld alles von der "Harmonisierung der Strahlen" bis zur "Neutralisierung der Schäden". Was immer sie Segensreiches von sich geben mö-
gen, Energetisierendes, Stimulierendes, Auraglättendes, Chakrastabilisierendes, Kristallines, Homöopathisches, Radionisches, Esoterisches,
Religiöses..., fest steht, die Strahlen strahlen genau wie zuvor.
Trotzdem: Es gibt immer mal wieder Leute, die von positiven Reaktionen im Einfluss solcher Entstörer berichten (wenn auch nicht so zahlreich wie die Hersteller sagen), sie fühlen sich besser, merken von der
Elektrosmogbelastung angeblich nicht mehr so viel wie zuvor. Wirkung? Placebo? Zufall? Glaube? Und wenn Wirkung, welche? Warum
sollte man als Folge derartiger Maßnahmen auf Elektrosmog weniger
reagieren? Weil er besser, verträglicher, ungefährlicher geworden ist?
Weil man stärker, robuster, widerstandskräftiger geworden ist? Oder
etwa weil die Reaktionsfähigkeit auf den Elektrosmog nun blockiert,
das Gespür gestört, die biologischen Alarmlämpchen träge geworden
sind? Nur weil ich einen Risikofaktor nicht mehr wahrnehme, bedeutet
das nicht, dass er nicht schädigt. Nur weil mein Körper nicht mehr reagiert, bedeutet das nicht, dass ein Problem vom Tisch ist. Körperliche
Alarmzeichen und eine intakte Sensibilität sind wichtig für die Erkennung eines schädlichen Einflusses und die daraufhin eingeleitete konstruktive Beseitigung der Ursache. Ich habe nichts dagegen, dass ein
Harmonisierer harmonisiert, ein Energetisierer energetisiert. Ich habe
was dagegen, dass der so oft vermeidbare Elektrosmog nicht vermieden wird, immer noch da ist. Und ich glaube erst dann, dass er dank
geschäftstüchtiger "Entstörungen" angeblich "ungefährlich" geworden
ist, wenn Grundlagenforschung und Erfahrung mit den Wirkungen und
Nebenwirkungen vorliegen, wenn das EEG nicht mehr auf den Elektrosmog reagiert, sich die Blut-Hirn-Schranken nicht mehr öffnen, Nerven
nicht mehr gereizt werden, Zellkerne nicht mehr deformieren, Hormone nicht mehr spinnen, die DNA nicht bricht, Küken nicht verkrüppeln.
Uns Baubiologen sollte es um die nachvollziehbare Beseitigung oder
zumindest Reduzierung der riskanten Felder gehen (das ist in 95 Prozent aller Fälle gut möglich!), nicht um eine fragwürdige "partielle Absorption der schädigenden Anteile" oder "Neutralisierung nach den Gesetzen der heiligen Geometrie". Wenn ich gesünder leben will, dann
"beame" ich nicht ein "kohärentes Energiefeld" in das Quecksilber meiner Amalgamfüllungen, "harmonisiere" nicht die 25 Zigaretten pro Tag
mit einem Chip auf der Packung, "glätte" nicht mit "positiver Schwingung" mein Zuviel an Zucker oder mache die Schweinehaxe "per Channeling kompatibel", sondern führe eine Zahnsanierung durch, höre auf
zu rauchen, zu naschen und tierisch fett zu futtern oder schränke den
Tabak-, Süßigkeiten- und Fleischkonsum zumindest drastisch ein.
Was ich gar nicht mag, sind Entstörproduktehersteller, die gutgläubigen oder kranken Menschen Angst machen, um ihre Ware besser verkaufen zu können. Sie behaupten, in unserer Welt lauere der Elektrosmog überall und er sei nicht mehr in den Griff zu kriegen. Deswegen
besser nicht aufregen, gar nicht erst aktiv werden, nichts ändern, lieber gleich die Generalabsolution in Form eines Rundumentstörers kaufen. Glauben Sie solche Horrorgeschichten nicht. Kritischer Elektrosmog
ist längst nicht überall, und wenn er da ist, so ist er meist durch vernünftige, sachverständige Maßnahmen ursächlich, oft hundertprozentig
oder zumindest hochprozentig, in den Griff zu kriegen.
Einige behaupten, "biologisch störende Anteile der Funkstrahlung" seien nicht abschirmbar. Es handele sich nämlich um "Longitudinal- bzw.
Skalarwellen, auf die Mensch, Tier und Pflanze sehr empfindlich reagieren". Erstaunlich, dass man nicht mal weiß, ob solche Wellen beim
Mobilfunk oder anderen Funkarten überhaupt beteiligt sind, obgleich
seit Jahren hierüber geredet und gestritten wird, dass sie noch niemand gefunden bzw. nachgewiesen hat, es keine Messgeräte hierfür
gibt, aber schon Entstörgeräte dagegen angeboten werden. Wie will
man Unbekanntes entstören? Mehr über Skalarwellen auf Seite 535 (des o.g. Buches v. W. Maes).
Ich habe inzwischen das reinste Entstörproduktemuseum, mehr als 100
solcher Materialien und Geräte im Laufe der Zeit gesammelt, bei Kunden oder sonst wo. Einige Kuriositäten kann man gar nicht sammeln,
man muss sie erleben, z.B. den fühligen Experten, der lehrt, wie man
sich selbst und ganze Häuser durch Handauflegen vor aller Strahlung
schützt. Oder den nach innen gekehrten Meditationstrainer, der mit
Hilfe gezielter Yogaübungen den "Elektrosmog ableitet, bevor er Schaden anrichten kann", in einer Art Lotussitz mit gestreckten Armen und
antennenartig aufgespreizten Fingerspitzen. Oder die hübsche Mami,
die sich ihre blonden langen Haare färben ließ, schwarz mit vielen silbernen Strähnchen, Spezialmixtur eines Topfriseurs zum Schutz des
Kopfes vor Handystrahlung. Der schwarze Hut, der den Kopf behütet,
vor schädlichem Elektrosmog. Oder der junge Mann im Bioladen, der
unaufhörlich das Mobile am Ohr hatte und quasselte was das Zeug
hielt. Er wurde von meiner genervten Frau beherrscht aber unmissverständlich angesprochen. "Nein", meinte der, "mir schadet das nicht. Ich
setze gezielt positive Gedanken dagegen." Zurückstrahlen sozusagen.
Wieder andere schützen sich mit Gebeten, praktizieren "geistige Abschirmung". Gebetsanleitungen gibt's in der Fachliteratur, wirklich.
Noch vollmundiger - Elektrosmog als Therapie
Es gibt kleine Plastik-Aufkleber, die versprechen sogar: "Telefonieren
steigert Ihr Wohlbefinden". Aber nicht nur, dass die schädigenden Einflüsse des Elektrosmogs aufgehoben werden, das kennen wir bereits
von den anderen, nein, es geht noch weiter: Die Handy- und sonstigen
Strahlen sind ab sofort gewollt, ja notwendig, sollen sie mit solchen Maßnahmen doch gesundheitsförderlich werden. Strahlen als Chance.
Das ist eine Premiere. Wurde bisher nur rumharmonisiert, rumneutralisiert oder sonst wie rumgefummelt, um den Elektrosmog zu zähmen,
so kommt jetzt eine neue Dimension in den Chipmarkt, weht ein neuer, noch schärferer, schon gemeiner Wind: Elektrosmog als Therapie,
aufmoduliert sozusagen. Man fordert ungeniert auf, sich der Strahlung
auszusetzen, denn die würde gebraucht, vehikelartig genutzt, um die
heilende Aufkleber-Energie zum Menschen transportieren zu können.
Mit Vertrauensgarantie. Mit der Kombination Chip und Handy ist es ab
sofort "besser als ganz ohne Handy". Denn "Handystrahlung wird positiv, macht gesund", dank Chip. Die Körperenergie nehme "beim gewöhnlichen mobilen Telefonieren um 68 Prozent ab, mit Handy plus Chip
dagegen um 29 Prozent zu". Ein RaySaver im Batteriefach "macht aus
den schädlichen Wellen eine verträgliche Energiezufuhr", in seiner Nähe würde "nicht nur das Handy entschärft, man tankt dank ihm auch
wieder Lebensenergie auf". Andere entstörende Heilsbringer transportieren per Handywelle "Vitalität direkt ins Hirn", dem "Zentrum für Gesundheit". Deshalb: "Vermeiden Sie Elektrosmog nicht, nutzen Sie ihn!"
Siemens freut sich, Nokia, Vodafone und Telekom auch, bewirken sie
doch bei der Menschheit ab jetzt nur noch Gutes. Mikrowellenherde,
Schnurlostelefone, WLAN-Router und Fernseher atmen auf, ist das leidige Elektrosmogthema doch endlich vom Tisch. Nur die Netzfreischalterhersteller freuen sich nicht, die werden überflüssig, denn der Harmonisierer gehört auch in Sicherungskästen, zur Kompensation lästiger Felder und zur Verströmung positiver Energien über alle Elektroleitungen ins ganze Haus. Entstörung plus Heilung aus der Steckdose.
Wenn das kein Freibrief für den sorglosen Umgang mit Elektrosmogverursachern ist. Wer trägt die Verantwortung, wenn Menschen durch
Elektrosmog geschädigt werden, mehr als zuvor ohne Schutz, weil sie
sich in Sicherheit wägten? Hier geht es nicht um ein paar Euro, hier
geht es um kostbare Gesundheit und mehr. Was könnten noch für Aufkleber auf den Markt kommen? Vielleicht ein Auspuff-Chip? Wir machen aus der Not eine Tugend, aus dem Problem die Lösung, und nutzen die einst krankmachenden, jetzt aber per Plastik-Plakette in ihrer
Pathogenität gezähmten Abgase, Benzole und Dieselruße als willkommenes Transportmedium für die aufmodulierten gesundheitsstimulierenden Energien. Besser könnte man positive Energien gar nicht mehr
in die Umwelt kriegen. Welch' Idee! Ich hätte das Zeug zum Millionär.
Sechs Jahre Haft für Entstörplakettenverkäufer
Die Zeitschrift 'Handy Spezial' überprüfte, wie auf Seite 182 bereits erwähnt, den RayMaster. Testergebnis: keine Wirkung zu finden, weder
technisch am Gerät, noch biologisch an elektrosensiblen Probanden,
noch medizinisch mit Elektroakupunktur. Öko-Test fand ebenfalls keine Wirkung. Wir auch nicht. ARD-'PlusMinus' überprüfte fünf solcher
Entstörer, den RayGuard (150 Euro), Kuma-Chip (34 Euro), Basic-Help
(100 Euro), Harmonizer (150 Euro) und Feldprozessor (300 Euro). "Keines der Geräte zeigte die geringste Wirkung, weder bei den Feldern,
noch bei Wirkungen an Probanden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt
wegen Betrug." Es drohen Freiheitsstrafen. "Die Hersteller verblenden
mit wissenschaftlich anmutenden Werbestrategien, welche nicht haltbar sind", klagt 'PlusMinus'. So wirbt der RayGuard mit einem Gutachten von Prof. Dr. Günter Käs. Der weiß gar nichts davon, hat die Wirksamkeit nie bestätigt. Die Schweizer Bürgerinitiative 'Gigaherz' weiß
ebenfalls ein Lied davon zu singen: "Uns wird in letzter Zeit immer öfter über aggressive Verkaufsmethoden von RayMaster-Anbietern berichtet." Der Physiker und Elektroingenieur Dr. Clas Tegenfeldt kommentiert auf den 'Gigaherz'-Internet-Seiten: Alles aufgelegter Schwindel, Voodoo-Wissenschaft, Scharlatangeschäft, Profitmacherei, Betrug.
ARD-Ratgeber 'Technik' testet Entstörer und resümiert: Tachyon Energiehüllen bringen "rein gar nichts"; das Wave-Shield-Schutzschildchen
hält sein Versprechen nicht; die Vermarktung der vielen Chips, die aus
bösen gute Strahlen machen wollen, passiere "schwammig und pseudowissenschaftlich"; beim Fostac-Chip das "nicht überprüfbare Wirkversprechen"; das Atox-Amulett für 195 Euro "widerspricht jeglicher
Relativitätstheorie"; die Wirkung von Rosenquarz und ähnlichem sei
"reine Glaubenssache", ein Schutz "absoluter Nonsens".
In den USA geht man schärfer vor: Die Handelsbehörde FTC verklagte
Ende 2003 zwei Firmen aus New York. Das Urteil: 85.000 Dollar Buß-
geld wegen der Behauptung, ihre Entstörgeräte schützten vor schädlichen Feldern von Mobiltelefonen. Ab sofort dürfen sie nicht mehr damit werben, dass die Funkwellen abgeschirmt, reduziert oder sonst
wie verändert würden, sofern sie das nicht nachvollziehbar beweisen
können. Ähnlich in Australien: 30.000 Dollar Strafe im April 2002 und
ein Monat hinter Gitter im Februar 2003 wegen der Herstellerbehauptung, sein E-Smog-Schutz bewirke gesundheitliche Verbesserungen.
Noch schärfer das Urteil des Landgerichtes Gießen vom 13. Oktober
2004: Sechs Jahre Gefängnis für den 56-jährigen aus Feldatal (Vogelsbergkreis), Erfinder und Verkäufer des Feldprozessors, auch Polarisator genannt, wegen vorsätzlichen Betruges. Es geht um ein typisches
Entstörprodukt, einen Chip gegen Elektrosmog und Handystrahlung,
ein daumennagelkleines Aluminiumplättchen mit kupferfarbener Plastikbeschichtung für 300 Euro. "Völlig wirkungslos", fanden Richter und
Staatsanwalt. "Mit erheblicher krimineller Energie" habe der schon Vorbestrafte sich bewusst labile und kranke Opfer ausgesucht. "Ein mieses
Geschäft mit der Angst. Der Angeklagte hat mit seinem pseudowissenschaftlichen Kauderwelsch die Leute beeindruckt und ihnen das Geld
abgenommen." Das Landgericht erließ Haftbefehl, der Angeklagte wurde in Handschellen aus dem Gerichtssaal in seine Zelle geführt.

Ein bekannter Matratzenhersteller verspricht Abschirmung mit Latexmatratzen, eine Wolldeckenfabrik mit Wolldecken. Simple Adressaufkleber aus dem Schreibwarengeschäft werden als Bio-Aktiv-Plättchen
gegen die Auswirkungen von Erdstrahlung angeboten. Mit der KirlianFotografie will man die Wirkung von Magnet-Decken gegen alles und
gar nichts bewiesen haben. Mit teurem Bergkristall-Granulat, eingegossen in billige Plastikröhren, soll nicht nur die Erdstrahlung vertrieben, sondern auch radioaktiv verstrahlten Tschernobyl- und Fukushima-Opfern geholfen werden. Eine Feng-Shui-Meisterin verkauft hübsche Plastikaufkleber gegen böse Erdstrahlen und hängt bunte Bilder
von Delphinen in die Zimmer. Ein gezielt angepflanztes Buchsbäumchen, "individuell eingemessen" mit Rute, Pendel, Tensor oder LecherAntenne, saugt alle geopathischen Plagegeister quasi auf.
Ein Erdstrahlenschützer aus der Pfalz verkauft Keile und Trapeze aus
Blech. Er hat, so ist in seinen Büchern zu lesen, "am Sonntag zwischen
12 und 14 Uhr alle Erdstrahlen 200 Kilometer weit verdrängt und noch
60 km tief ins Erdinnere weggeschossen." Tiefer ging es leider nicht,
denn "sonst hätte es vielleicht ein Erdbeben gegeben." Er verkauft Abschirmdrähte für Tennisschläger: "Die durch den Schlagimpuls angezogenen Erdstrahlen werden über die Drahtenden an die Gestirne abgeführt, so wird eine schmerzhafte Aufladung des Arms vermieden."
Ein Radiästhet aus dem Rheinland bietet für 5000 Euro die spezielle
Gartengestaltung an, die "alle Strahlen im Haus wegnimmt". Vorsicht
mit selbst ernannten Fachleuten, die Angst machen, weil "das Erdmagnetfeld immer mehr verloren geht", und zum Ausgleich Decken anbieten, die mit starken Magnetfeldern diesen nicht nachzuweisenden Verlust wettmachen wollen (ab Seite 734). Die angebliche Baubiologin aus
Wiesbaden will in einer anthroposophischen Düsseldorfer Schule die
Elektrostatik der Teppiche und in einem Aufwasch die Reizzonen mit
Edelsteinen eliminieren. Wenn das nicht reicht, kein Problem, bitte
"drei Glöckchen oder einen Triangel anschlagen"; je länger man anschlägt, desto länger die antistatische und entstörende Wirkung. Eine
Personenwaage im Zimmer schaffe schädigende Gitternetzpunkte, sie
solle entfernt werden. Außerdem müsse eine Trägerfrequenzsperre gegen die von draußen einwirkenden Mikrowellen eingebaut werden (wie
auch immer das geht), obwohl: "Die richtigen Pflanzen auf dem Fensterbrett entstören diese Wellen auch". Das Verdunsten von Pflanzenölen ist prinzipiell "für alles gut, schädliche Strahlung geht davon weg".
Einige Fühlige kommen gar nicht erst in Ihr Haus. Sie pendeln über
Grundrissen. Fernmutung nennt man so was unter Gleichgesinnten.
Auch sie haben die Entstörung parat. Ein Fernmuter aus Düsseldorf
verschickt handgekritzelte Bleistiftzeichnungen, die unters Bett gelegt
"alles abschirmen". Die Erklärung: "Meine heilenden und entstörenden
Kräfte sind beim Zeichnen über den Bleistift aufs Papier übertragen
worden." Eine Fernmuterin aus Dreieich weiß per Telefon, was beim
500 Kilometer entfernten Anrufer vorliegt. Sie schickt die Fotokopie einer Zeichnung des ägyptischen ANKH-Henkelkreuzes, die alles entstöre, von der Wasserader bis zum Fernsehapparat.
Da sind Environtologen, die verheißen, Strahlen würden "kreisförmig
stehende Magnetwellen mit einem zirkularen Durchmesser von bis zu
neun Metern erzeugen", die wiederum durch eine Armbanduhr, nämlich die Tesla-Uhr, mit "nichthertzschen Skalarwellen über einen TeslaChip, der wie ein Schild wirkt" und "sich wie eine flachgedrückte Mö-
bius-Schleife verhält" und "den Körper mit einer Art Blase, Kokon oder
Polster umgibt" neutralisiert werden könnten. Eine gute Neutralisierung sei auch vom Erdresonanz-Generator zu erwarten, der "durch seine hohe Ausgangsleistung alle Signale aus der Umgebung übertönt".
Oder diese Radionik-Maschine, die als Energiequelle die Sinne, den
Geist und die Seele anzapfe und so "psychobiophysikalisch wirkt".
Metallplatten, wachsbeschichtete Kartons und eine Lage Stearinkerzen bezwingen "Erdspalten, die von Jahr zu Jahr bösartiger werden",
aber leider: Das funktioniert am Abend nur um 21 Uhr, dann ab 23 Uhr
nicht mehr, denn, "die abzuschirmende Stelle hat sich verschoben". Sie
müssen ihr mit den Platten und Kerzen schon hinterher jagen. Dipole
und Resonanz-Schwingkreise bändigen außer Rand und Band geratene Delta-Strahlen, auch geologische Schächte, Schlote und Kamine, zumindest zeitweise, nur "wenn Resonanz besteht". Cap-Kompensatoren
verscheuchen zwar Wasseradern, aber - das muss man zweimal lesen nicht wenn sie Wasser führen, also nur wasserlose Wasseradern.
Kommen Sie noch mit? Ich nicht. Derweil misstrauen sich die Entstörgerätehersteller und Anbieter gegenseitig und (kaum zu glauben) fertigen Entstörgeräte gegen die Störung von Entstörgeräten.
Eine Entstörwirkung ist, wenn man physikalisch nachprüft, in keinem
Fall gegeben. Dafür gibt es manchmal Nebenwirkungen: Folien ziehen
elektrische Felder an, Magnetwellensender verursachen tausende Nanotesla Elektrosmog, einige Geräte strahlen mit Hochfrequenz, wieder
andere Matten und Decken emittieren stärkere technische Magnetfelder in die Körper als unter zehn Hochspannungsleitungen. Auch eine
Nebenwirkung: Der ganze Kram kostet viel Geld.

Geologische Störungen: Fallbeispiel 'Erholung zu Hause' / Rutengänger 861
Rutengänger
Einen guten Rutengänger zu finden ist Glücksache. Sicherlich gibt es
Könner. Die sind selten. Ich kenne zwei Rutengänger, die es mit Zuverlässigkeit schaffen, Wasser zu finden. Ich habe im Laufe der Jahre ein
paar hundert Rutengänger und Pendler direkt oder indirekt über meine
Kunden und Ärzte kennen gelernt, mit vielen gearbeitet, aufgepasst,
verglichen und erfahren müssen, dass sie meist nicht zuverlässig sind,
ihre Resultate sich gründlich widersprechen. Darunter mögen Scharlatane und Geschäftemacher gewesen sein, die von der Unwissenheit
und Not anderer profitieren wollten. Die meisten schienen mir jedoch
aufrichtig bemüht, gute Arbeit zu tun und ihr Bestes zu geben.
In Amerika, Australien, Schweden und Deutschland sind in den letzten
Jahren einige tausend Profi-Rutengänger in diversen Versuchen wissenschaftlich auf Herz und Nieren getestet worden. Können sie es nun
oder können sie es nicht? 98 Prozent konnten es nicht. Das wollte ich
nicht glauben und schritt zur Tat, testete meinerseits.
Für Wohnung+Gesundheit (Heft 58, Frühjahr 1991) habe ich sechs Radiästheten, die mir von vier Rutengängerverbänden als Spitzenleute
empfohlen wurden, einzeln und ohne voneinander zu wissen, in einen
Raum meiner Wohnung gebeten. Deren Ergebnisse fielen grundunterschiedlich aus: einmal vier Wasseradern, dann nur eine Verwerfung,
einmal gar nichts, dann alles voll Reizzonen, einmal die Störung links
im Raum und dann rechts. Es gab unseriöse Entstörangebote, gepfefferte Preise. Mein Bericht löste in Fachkreisen einen Sturm der Entrüstung aus. Einige Rutengänger, darunter Akademiker und Ärzte, hielten sich für zuverlässiger als die zuvor überprüften Kollegen und forderten einen weiteren Test, um zu beweisen, dass es doch geht.
So reisten im Juni 1991 acht weitere bekannte und von sich überzeugte deutsche und österreichische Rutengänger an, sie ruteten, muteten
und pendelten den gleichen Raum aus. Sechs von diesen acht Radiästheten waren internationale Größen, bekannt von Veröffentlichungen,
Seminaren, aus der Presse, sind Fachbuchautoren oder Verbandsvorsitzende. Diese acht Selbstsicheren haben freiwillig und in Kenntnis
voneinander, jedoch nacheinander und ohne Kenntnis von den Ergebnissen der anderen, im Blindversuch ihr Können unter Beweis gestellt.
Resultat: Acht neue unterschiedliche Ergebnisse, keines war dem anderen nur annähernd ähnlich, dazu vier neue Entstörer, die gleiche Erfahrung wie ein halbes Jahr zuvor (siehe Wohnung+Gesundheit, Heft
60 im Herbst 1991, und mein aktualisierter sechsseitiger Sonderdruck
"Zuckende Ruten und kreisende Pendel: Radiästheten im Test").
Noch nicht am Ende: Zehn Jahre später, im Sommer 2001, der nächste
Anlauf im gleichen Raum. Diesmal waren es fünf Profi-Radiästheten
mit bekannten Namen. Das Ergebnis: siehe oben.
Und noch einmal: Im Frühjahr 2004 kamen die nächsten fünf Rutengänger, wieder der gleiche Raum, wieder Blindversuche, wieder Vollprofis, wieder Experten mit wohlklingenden und in der Presse gelobten Namen: Vorsitzende, Ausgezeichnete, Ehrenmitglieder, nicht irgendwer von nebenan. Sie blicken teilweise auf 30 Jahre Erfahrung zurück und schreiben seit Jahren für Fachzeitschriften. Sie kamen, waren
voll des guten Willens. Aber leider: Chaos, Widerspruch, siehe oben.
Ein letztes Mal: Drei Rutengänger trafen sich bei mir im Dezember
2011. Alle drei zutiefst überzeugt, dass Rutengehen reproduzierbar ist.
Diesmal arbeiteten sie zwei, drei Stunden gemeinsam, sahen also was
der andere tat, beobachteten sich höflich aber skeptisch und korrigierten sich ständig gegenseitig. Zwei Ergebnisse ähnelten sich, aber nur
bei großzügigster Betrachtungsweise, das dritte: ganz anders.
Das macht insgesamt 27 Rutengänger im Zeitraum von 21 Jahren. Immer der gleiche Raum, immer der gleiche Grundriss, 27 verschiedene
Eintragungen: mal Wasserader, mal Verwerfung, mal Bruch, mal Hohlraum, mal Schlot, mal Leyline, mal hier, mal da, mal Kopf, mal Knie,
mal breit, mal schmal, mal ganz viel, mal gar nichts, hier Krebsbett,
dort kalte Füße, hier "das ist gefährlich", dort "alles im Lot", hier Buntstiftgekritzel, dort Computerausdruck, bei dem Einen 100 Euro und bei
dem Anderen 500 Euro, sieben kostenlos ("Danke!"). Die unterschiedlichsten Bewertungen, Vorschläge, Entstörmaßnahmen. Was fange ich
mit den Resultaten an? Was fängt ein Kunde damit an? Was fangen
kranke Menschen damit an? Von all den Gitternetzen ganz zu schweigen, von all den Kosten - auch für Entstörgeräte - ebenso.
Magnetostatik: Zwischen Heilung und Kaffeefahrt
Magnetfelder zwischen Heilung und Kaffeefahrt
Was die vielen rezeptfreien Pflaster, in die kleine aber starke Magnete
eingebettet sind, bewirken, wenn sie ohne ärztlichen Rat einfach so
auf irgendeine Körperstelle aufgebracht werden, weil Frau Olga in der
Boulevardzeitung Heilerfolge verspricht, kann ich nur ahnen. Die Intensitäten solcher Minimagnete mit Maxiwirkung können durchaus bis
100.000 µT (!) betragen, in Ausnahmefällen noch mehr. Dubiose Firmen
und Vertriebe verdienen sich eine goldene Nase mit den unterschiedlichsten magnetischen "Heilprodukten" von Umhängern über Armbänder und unzähligen Wellnessprodukten bis hin zum kompletten Bett.
Vorsicht! Magnete sind kein nebenwirkungsfreier Hokuspokus, an den
man glauben oder es sein lassen kann. Magnetfelder wirken kraftvoll,
zweifellos. In der richtigen Dosis zur richtigen Zeit am richtigen Platz
können sie durchaus symptomlindernde oder heilende Effekte bewirken, in der falschen Dosis zur falschen Zeit am falschen Platz können
sie genauso schädigen. Wie immer: Die Dosis macht das Gift.
Mit den auf Kaffeefahrten angepriesenen Magnetdecken für und gegen alles strapazieren Sie nicht nur den Geldbeutel, sondern vielleicht
auch Ihre Gesundheit. In jedem Fall greifen Sie massiv in natürliche
Abläufe ein. Solche Matten emittieren starke Magnetfelder mit uneinschätzbaren Konsequenzen, speziell bei Dauereinwirkungen, speziell in der Regenerationszeit. Ich fand Werte von außergewöhnlichen 100 bis
10.000 µT. Wenn Magnetdecken oder Magnettherapien, dann bitte nur,
wie Mikrowellen- oder radioaktive Bestrahlung auch, unter ärztlicher
Aufsicht. Was Ihnen der Arzt zweimal wöchentlich zehn Minuten gezielt zur lokalen Förderung des Knochenwachstums nach einem Beinbruch, zur Behandlung des Tennisarms, zur beschleunigten Wundheilung nach Zahnextraktionen oder zur Schmerzlinderung bei Rheuma
appliziert, das gehört nicht jede Nacht acht Stunden in Ihr Bett. Magnete gehören grundsätzlich unter fachkundige medizinische Obhut.
Vorsicht auch mit den düsteren Prophezeiungen unseriöser Geschäftemacher, das Erdmagnetfeld gehe langsam aber sicher den Bach runter, würde immer schwächer, und man müsse es schleunigst auffrischen: mit teuren Magnetfeldprodukten, zur Vorbeugung. Die Angstmacher erfinden schon wieder eine neue Krankheit und fabeln vom
"Magnetfeld-Mangelsyndrom" mit "kaum absehbaren Folgen", um mit
der Angst richtig Geld zu scheffeln. Und manche Ärzte und Heilpraktiker machen mit, lassen sich mit fetten Provisionen locken.
Mein Mitarbeiter Dr. Manfred Mierau fand bei einer Kundin in Düsseldorf ein unscheinbares Halskettchen einer solchen geschäftstüchtigen
Panikfirma, auf Empfehlung des Arztes. Das Magnetometer zeigte extreme 500 Mikrotesla, teilweise noch mehr, das direkt am Hals, an der
Nackenwirbelsäule, an der Schilddrüse. Dagegen sieht die Erdmagnetfeldintensität ziemlich blass aus. Meine Messung an einem winzigen
Schmuckmagneten, der an einer Kette im Ausschnitt vor dem Brustkorb
baumelte: selten hohe 25.000 µT! Ich wiederhole: uneinschätzbare biologische Folgen bei Dauereinwirkung! Solche frei verkäuflichen Magnetprodukte zur Eigentherapie sollen nach Herstellerangabe sogar in
schwindelerregende Dimensionen von 500.000 µT kommen. Eine Firma preist Armreifen mit 250.000 µT an, eine andere Einlegesohlen für
Kinderschuhe (!) mit 30.000 µT. Ich fand Kopfkissen, Nackenstützkissen, Bettbezüge und ganze Matratzen mit eingearbeiteten, sehr starken Magneten, Ringe, Bandagen, Hüte, Ohrclips (gegen das Rauchen)
und Magnete für die Hosentasche, zur Potenzsteigerung und Penisvergrößerung: "Eine Stunde vor der Verabredung in die Tasche, freuen Sie
sich!" Oder die Magnetringe zum Einführen in die Scheide: "Wenn mal
mehr Energie notwendig ist." Viele Firmen verkaufen solche und andere Magnetprodukte, ihnen gehen die Versprechungen und Ideen nicht
aus, die Provisionen für ihre Verkäufer auch nicht.
So ein kleiner Kenko-Magnet von Nikken, ein silbernes Magnetmetallscheibchen von vier Zentimetern Durchmesser, bringt noch in 10 bis 20
Zentimetern Entfernung eine Kompassnadel ins Schleudern. Das sind
einige 100 bis über 1000 Mikrotesla, in direktem Kontakt auf der Haut
oder in der Hosentasche noch viel mehr: einige 10.000 bis über 100.000
Mikrotesla. Nikken palavert von einem "bemerkenswerten neuen EQLKonzept" eines "equilateralen Magnetfeldes" mit "innovativer Ferninfrarot-Technologie". Laut Nikken würden wir uns "in Gebäuden vom natürlichen Magnetfeld isolieren", was Unsinn ist. Auf der obersten Etage des Empire-State-Buildings messen Sie das Erdmagnetfeld in voller
Blüte. Vielmehr überlagern, stören und verzerren technische Magnetfelder in Häusern (Betonarmierungen, Stahlträger, Federkernmatratzen,
Lautsprecherboxen...) in ihrer Nähe das so wichtige, lebenserhaltende,
natürliche Erdmagnetfeld, wie es aber Nikken noch viel - tausendfach gründlicher tut. Aus baubiologischer Sicht ist jede stärkere technische
Veränderung des natürlichen Erdmagnetfeldes auf Dauer kritisch. Bei
solchen Produkten ist sie besonders heftig und deshalb - wie gesagt:
ohne medizinische Indikation und Aufsicht - baubiologisch tabu.
Erdmagnetfeld rückwärts
Die 'Bild-Zeitung' schreit im Dezember 2005 auf: "Magnetchaos! Weltuntergang! Leben wir bald im Dunklen?" In dem Film 'The Core' fallen
Herzschrittmacherträger tot um, Tauben flattern wirr umher, Autofahrer verschmoren bei lebendigem Leib. Die Welt gerät aus den Fugen,
dank Magnetfeldschwund. Wenn auch nur in den Studios von Hollywood. Jedes Jahr im Sommerloch kommt das Thema in die Medien.
Das Erdmagnetfeld verändert sich über die Zeit wahrhaftig in seiner
Intensität, jedoch nur im Laufe von Jahrtausenden. Das führt langsam
aber sicher bis zum magnetischen Minimum und anschließender Umkehr der Pole. Einige geophysikalische Erkenntnisse gehen davon aus,
dass alle 20.000 bis 50.000 Jahre eine solche komplette Umpolung stattfindet, die letzte sei um die 40.000 Jahre her. Andere Experten sehen
noch größere Zeiträume, so Prof. Dr. Helmut Wilhelm von der Universität Karlsruhe: "Zuletzt gab es das vor 780.000 Jahren." Die Zeit scheint
in den kommenden paartausend Jahren reif zu werden für die nächste,
dann wird der Nordpol wieder zum Südpol und umgekehrt.
Seit Evolutionsgedenken ist das ein elementarer, natürlicher Vorgang
und nicht durch Halskettchen oder Bettdecken aufzuhalten, geschweige denn zu kompensieren. Vor 1000 Jahren, da war das Erdmagnetfeld
stärker als heute, in 1000 Jahren wird es schwächer sein. Natürlicher
Hintergrund sind bei uns in Mitteleuropa heute, wie erwähnt, 45 bis
50 Mikrotesla. Zum Äquator hin wird es weniger bis runter auf 28, in
Südamerika sogar bis 24 µT. Zu den Polen hin wird es mehr, Richtung
Nordpol bis 60 und am Südpol bis 67 µT. Stockholm bietet etwa 50 µT,
Hamburg und Berlin 49, Düsseldorf und Frankfurt 48, Schwarzwald und
die Nordalpen 47, Genua 46 und Rom 45 µT. Jährlich nimmt die magnetische Flussdichte von Mutter Erde allerorten um etwa 0,05 Prozent
ab, das sind in unseren Breitengraden um die 0,02 µT. Das macht in
zehn Jahren 0,2 µT und in 100 Jahren 2 µT. Das wäre vergleichsweise
so, als würden Sie in 100 Jahren gemächlich und zentimeterweise von
Hamburg weiter südlich nach Stuttgart ziehen, denn hierbei passiert
die gleiche, diesmal räumlich bedingte Magnetfeldreduzierung. Würden Sie von Düsseldorf nach Kapstadt ziehen, wäre das ein Erdmagnetfeldrutsch nach unten, auf den Sie hier 1000 Jahre warten müssten.
Solange ich messe, seit 30 Jahren, ist das Erdmagnetfeld vertrauenserweckend stabil, versprochen: keinerlei Abweichungen außerhalb des
naturgegebenen Rahmens von 0,02 Mikrotesla pro Jahr. Stellen Sie sich
vor: Die Feilbieter von Magneten wollen jene 0,02 µT, um die sich das
Erdmagnetfeld dezent und fließend über ein Jahr hinweg üblicherweise verändert, wahrhaftig aufpäppeln mit einem schockartigen magnetischen Donnerschlag von 100.000 µT, 5 Millionen mal so viel, und das
zudem nicht homogen verteilt über den gesamten Globus, sondern nur
punktuell begrenzt auf bestimmte Körperteile, mit der Kette am Hals,
der Bandage am Handgelenk oder der Einlage im Schuh. Solche Ideen
haben nur Wirrköpfe oder gerissene Geschäftemacher. In diese schöpfungsgegebenen, natürlichen magnetischen Abläufe derart plump mit
technischen Magneten eingreifen zu wollen, hieße der globalen Erwärmung mit einem Eiswürfel zu begegnen oder der Eiszeit mit der Wärmflasche, wobei Eiswürfel und Wärmflaschen nicht derart fragwürdige
Wirkungen und Nebenwirkungen nach sich ziehen können. Seien Sie
vorsichtig, glauben Sie nicht jeden Mist, die Magneteverkäufer erzählen das Blaue vom Himmel und wollen nur eins: an Ihre Geldbörse.
Und wenn Magnete verscherbeln, warum dann gerade bei uns? Wir
sind doch noch in der glücklichen Situation, satte 50 Mikrotesla Erdmagnetfeld genießen zu dürfen, wir schöpfen im Vergleich zu vielen
anderen auf der Welt aus dem Vollen. Konsequenter wäre der Verkauf
nach Mexiko und Indien, die haben weniger als wir, nämlich 40 µT,
nach Timbuktu und Uruguay, die haben noch weniger, gerade mal 30,
oder nach Kapstadt und Rio, da gibt es nur noch 28 µT. In Brasilien
findet man mit 24 µT die niedrigsten Erdmagnetfelder weltweit. Warum dann gerade hier und nicht in Kapstadt und Rio die Werbetrommel
zur Therapie des Magnet-Mangelsyndroms rühren? Wenn's richtig deftig mangelt, dann dort, doch nicht bei uns oder in den USA. Multimillionen Südamerikaner und Südafrikaner leben mit halb so viel Erdmagnetfeld wie ich im Rheinland. Bis wir in Deutschland soweit sind wie
die Mitmenschen dort, von unseren 50 µT runtergerutscht auf ärmliche
25, dauert es noch weit über 1000 Jahre. Bis dahin: Magnete ab nach
Südamerika und Südafrika, hier ließen sich Geschäfte machen. Mal wieder (siehe auch Seite 279): Ich hätte das Zeug zum Millionär.
Es ging und geht durchs Internet: Handys kochen Eier. Zwei russische
Journalisten machten den eindrucksvollen Test. Ein Hühnerei kommt
ganz nah zwischen zwei eingeschaltete und maximal funkende Handys. Nach 25 Minuten wird das Ei warm, nach 40 Minuten heiß, nach
65 Minuten ist es gekocht und fertig für den Verzehr... Das tut weh,
wenn man sich vorstellt, was in Ihrem Kopf oder mit Ihren Hoden passiert... Diskussionen und Spekulationen nehmen kein Ende, die Foren
sind voll. Ärzte, Heilpraktiker und Gesundbeter warnen vor der Gerinnung des Eiweißes im Gehirn. Alternativzeitschriften, Esoteriker und
Weltuntergangsbefürchter nehmen die Geschichte auf ihre Seiten. Ich
habe es überprüft, eine Stunde, zwei, drei Stunden, und: kein Effekt.
Die Eier waren roh wie zuvor, kein geronnenes Eiweiß, von wegen garer Dotter. Für den Effekt, der keiner ist, werden von Memon Entstörchips angeboten. Man muss nicht alles glauben, auch nicht Memon. In anderen YouTube-Videos brachten Handys Popcorn zum Poppen...